Allgemeine baltische Geschichte
Christianisierung und Unterwerfung der Balten, das Mittelalter und die Hansezeit
Gleichwohl Lettland und Litauen gemeinsame ethnische Wurzeln haben, verbindet Lettland die Zeit nach der ersten Jahrtausendwende eher mit Estland als mit Litauen, das eine getrennte Entwicklung durchlebte.
Sommersonnenwende im BaltikumDie finno-ugrischen und baltischen Stämme galten als die "letzten Heiden Europas". Religion war jedoch keineswegs ein Fremdwort dort, man verehrte Sonne, Mond, Donner und andere Naturgottheiten. Auch weit später noch hielten sich kultische Handlungen. Die noch heute gefeierte Sommersonnenwende und das Julfest haben dort ihre Wurzeln.
Dom zu Riga - Sitz des Bischofs BuxhoevedenNorddeutsche Missionare, als Vorhut der Hanse, begannen Ende des zwölften Jahrhunderts mit der Christianisierung. Bischof Albert von Buxhoeveden gründete 1201 Riga und ein Jahr später dortselbst den Schwertbrüderorden, der sich die Eroberung Lettlands und Estlands zur Aufgabe machte. Dies sollte noch mehr als 100 Jahre dauern.
Schwarzhäuptergilde in TallinnIn Estland kamen den Kreuzrittern die Dänen zu Hilfe. Sie gründeten Reval, das heutige Tallinn - Estlands Hauptstadt. Diese beiden Städte kamen als Mitglieder der Hanse schnell zu Wohlstand. Adel und Bürgerschaft waren deutschen Ursprungs.
Esten und Letten versuchten beharrlich, doch letztendlich vergebens, die Fremdherrschaft abzuschütteln. Die eingesessenen Bauern lebten fortan in Leibeigenschaft.
Der entstandene Reichtum weckte natürlich das Interesse der Nachbarvölker. In den folgenden Jahrhunderten wurden die Landstriche mit Kriegen überzogen, abwechselnd herrschten Russen und Schweden. Dennoch blieb die Verwaltung in Riga und Tallinn immer in deutscher Hand. Die Hansestädte dienten ob ihres Wohlstands Schwedens König und dem russischen Zaren als Kreditgeber, die sich mit der Oberherrschaft begnügten und den Adel nicht anrührten. So blieb Deutsch Amtssprache bis ins späte 19. Jh.
Olafkirche in TallinnDie hanseatischen Wurzeln sieht man noch heute in der Architektur. Unzählige Kirchen und Dome im Stil der Backsteingotik beherrschen das Bild der Altstadt in Riga. Tallinn hatte z.B. mit der Olafkirche den seinerzeit höchsten Kirchturm der Welt.
Wasserburg TrakaiLitauen hat eine gänz- lich andere Entwicklung durchlebt. Dort hatten sich bereits Fürsten- tümer ausgebildet, als das Heilige Römische Reich seine Finger aus- streckte. 1236 wurden in der Schlacht von Siauliai die Kreuzritter vernichtend geschlagen, eine deutsche Kolonialisierung so verhindert. Die Wasserburg bei Trakai ist Litauens wichtigstes nationales Symbol für den erfolgreichen Kampf gegen den Deutschen Orden. Den Glauben an Naturgottheiten und Geister konnten sich die Litauer aber bis in das 14. Jh. hinein bewahren. 1386 wurde mit der "Krakauer Hochzeit" der Zusammenschluss mit Polen besiegelt; Fürst Jogaila ließ sein Volk katholisch taufen.
Kazimirkirche in VilniusDas polnisch-litauische Großreich sollte fast 400 Jahre Bestand haben und reichte von der Ostsee bis zum schwarzen Meer, nach Osten bis in die Nähe von Moskau. Die Pest (1709-1714) und der Große Nordische Krieg (1700-1721) schwächten jedoch das Reich so sehr, daß Russland, Preußen und Österreich-Ungarn es sich untereinander aufteilen konnten.
Noch heute haben die Litauer einen stark ausgeprägten Nationalstolz. Den römisch-katholischen Einfluss sieht man u.a. daran, daß in der Altstadt von Vilnius die Architektur sehr stark vom Barock dominiert wird. Die Universität hat sogar eine eigene Kirche in der den Absolventen noch heute feierlich ihre akademische Würde verliehen wird.
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