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Die Zeit der Hanse im Baltikum - baltische Hansestädte

Die Blütezeit des Handels und des Wohlstands

Die Städte im mittelalterlichen Livland haben ihre Entwicklung v.a. der Hanse zu verdanken. Die Hanse (althochdt. "Schar") war zunächst ein Zusammenschluss niederdeutscher Fernkaufleute, später schlossen sich die Städte, in denen diese das Bürgerrecht erworben hatten, zum Hansebund - dem Bund der Hansestädte zusammen. Dies geschah v.a. zur Wahrung der gemeinsamen Handelsinteressen gegenüber den jeweiligen weltlichen und geistlichen Stadt- und Landesherren. In Livland ging die Entwicklung der Hansestädte von Riga aus. Seit etwa Mitte des 12. Jahrhunderts hatten gotländische und niederdeutsche Kaufleute die Mündung der Düna (lett. Daugava) angesteuert und hier einen Handelsplatz etabliert.
Der Dünahandelsweg war wichtig für den Handel mit Russland. Russische Kaufleute kamen mit flachen Booten mit ihren Waren, wie Pelzen, Wachs und Honig dünaabwärts bis Riga, die frühhansischen Kaufleute dagegen kamen mit der Hansekogge, dem typischen Einmaster der Hanse, wegen der Stromschnellen nicht die Düna hinauf. So wurde Riga wichtiger Handelsumschlagplatz. Die Geistlichkeit insbesondere unter Bischof Albert (Bischof in Livland, aus der Hansestadt Bremen stammend) nutzte die Infrastruktur der über die Ostsee reisenden Kaufleute, um die neuen Länder im Osten zu christianisieren und zu unterwerfen.
So war er 1201 der Stadtgründer Rigas. Die spätere Hansestadt Riga ist damit die zweitälteste Stadtgründung an der Ostsee nach Lübeck. Jede Hansestadt zwischen Lübeck und Riga ist später gegründet worden, so z.B. die Hansestädte Wismar, Rostock, Greifswald und Stralsund. 1282 trat Riga einem Ostsseeschutzbündnis zwischen Visby und Lübeck bei und wurde so zu einem der frühem Mitglieder der Hanse. Riga übernahm seine Stadtrechte hauptsächlich von der Hansestadt Hamburg. Die Rigaer Stadtrechte wurden dann insbesondere im 14. Jahrhundert auf andere Hansestädte in Livland übertragen.
Neben den wichtigsten Hansestädten in Livland - Riga, Reval (Tallinn) - wichtig im Nowgorodhandel der Hanse und Dorpat (Tartu), über das der Landhandel von Riga nach Nowgorod lief, gab es eine Reihe kleiner livländischer Hansestädte, die auf den Hansetagen meist von den drei genannten großen Hansestädten vertreten wurden. Dazu zählten die im Territorium des Livländischen Ordens gelegenen Hansestädte Windau (Ventspils), Goldingen (Kuldiga), Wenden (Cesis) und Wolmar (Valmiera), Fellin (Viljandi), Pernau (Pärnu) sowie die Städte des Rigaer Erzbischofs Lemsal (Limbai), Kokenhusen (Koknese) und Groß-Roop (Straupe). Sie spielten keine große Rolle in der Geschichte der Hanse, sondern waren reine Durchgangsstationen.
Manche der einstigen Hansestädte sind heute kaum noch als Städte auszumachen, so z.B. das kleine Straupe (ehem. Groß-Roop). Wasserwege, die im Mittelalter noch wichtige Handelswege waren, wie bei Lemsal oder Goldingen, waren später kaum noch schiffbar, was zum Bedeutungsverfall dieser kleinen Städte beigetragen hat. Die großen Hansestäde Riga, Reval und Dorpat profitierten vor allem vom Ausladezwang für Handelswaren und dem Verbot des Gästehandels, d.h. dass Gast nicht mit Gast handeln durfte - Waren mussten immer an in der jeweiligen Hansestadt ansässige Kaufleute veräußert werden, bevor sie ihr eigentliches Ziel im Osten oder Westen Europas erreichten. Besonders die Kaufleute in Riga und Reval wurden dadurch recht wohlhabend.
Die Verbindungen der einstigen Hansestädte blieben auch in späteren Jahrhunderten erhalten, so studierten viele "Livländer" v.a. nach der Reformation an den traditionsreichen Universitäten der Hansestadt Greifwald und der Hansestadt Rostock. Die ehem. Hansestädte in Estland und Lettland beteiligen sich in der Gegenwart aktiv an den Hansetagen der Neuzeit, so fanden im Jahr 2001 in Riga und 2005 in Tartu (Dorpat) die Internationalen Hansetage statt. Hanseatische Traditionen der einstigen Kaufmannsgilden werden bis heute gepflegt.


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