Reisebaukasten Juodkrante
Juodkrante
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Reiherberg bei Juodkrante
Schwarzort
Geschichte und Wirtschaft
Erstmal urkundlich erwähnt wurde Schwarzort 1429 in den Annalen des Deutschritterordens und ist damit der älteste ursprünglich erhaltene Ort auf der Nehrung. Zwar wurde Nidden schon etwas früher in den Chroniken des Ordens erwähnt, doch wurde sein Standort mehrfach verlegt. Dies blieb Schwarzort erspart, weil hier die Dünen durch Reste des alten Waldes nicht zu wandern begannen. Wie in den meisten Orten auf der Nehrung, so war auch hier lange die Fischerei im Haff die Haupterwerbsquelle. 1743 wurde in dem Ort die erste Schule auf der Halb- insel errichtet.
Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Schwarzort dann zum beliebten Bade- und Kurort. Kurz darauf wurden hier im Sand am Boden des Haffs große Mengen Bernstein gefunden. Der Abbau des fossilen Harzes lockte viele Arbeitskräfte an. Der heute noch betriebene, relativ große Hafen, in dem auch Dampfschiffe anlegten, wurde in den Vertiefungen der Ausbaggerung angelegt. Die aus dem Jahr 1861 stammenden Schwarzorter Funde, mit über 500 Schmuckstücken aus dem Neolithikum und Mesolithikum sind der älteste erhaltene Bernsteinschmuck. Ende des Jahrhunderts waren die Vorkommen jedoch erschöpft und das Leben im Ort wurde wieder beschaulicher. Ebenso wie in Nidden ließen sich hier Maler und Schriftsteller in der Sommerfrische inspirieren. Der Berliner Landschaftsmaler Gustav Fenkohl verbrachte seine Jugend hier.
Schwarzort befindet sich ungefähr in der Mitte zwischen Nidden und dem nördlichen Ende der Nehrung, also ebenfalls im heute litauischen Teil. 1920 hatten die Litauer das durch den Versailler Vertrag unter französischer Verwaltung stehende Memelland und die nördliche Hälfte der Nehrung besetzt, was die sich dagegen wehrende Bevölkerung auch im nun Juodkrante genannten Ort nicht verhindern konnte.
Hexenberg bei Juodkrante
Kultur und Natur in Juodkrante
Typisch für alle Orte auf der Nehrung, so auch für Juodkran- te, sind die Kurenkahnwimpel, die als Kennzeichen und Windrichtungsanzeiger auf den Fischerbooten dienten. In dem Ort sind nicht mehr viele traditionelle Fischerhäuser er- halten, doch einige von diesen zeugen zusammen mit der aus Holz erbauten Villa Hubertus vom Charme des Kuror- tes. Auch sucht man vergebens Zeugnisse des Bernsteinab- baus. Die hier gefundenen Schmuckstücke aus der Steinzeit wurden lange Zeit im Prussia-Museum in Königsberg ausgestellt, heute sind viele Teile in Privatbesitz, manche Exponate kann man in Museen in Deutschland besichtigen. Im Bernsteinmuseum im nahe gelegenen Palanga (Polangen) sind Kopien dieses Schatzes zu sehen.
Am südlichen Rand des Ortes beginnt der Rundweg über den Hexenberg (Ranganu), auf dem zahlreiche, aus Holz geschnitzte Figuren aus litauischen Märchen und Sagen aufgestellt sind. Deren Wichtigkeit für das litauische Kulturerbe gründet sich zum Einen auf die späte Christianisierung des Landes durch die Krakauer Hochzeit, die zwar, anders als in Livland, nicht mit dem Schwert Einzug hielt, aber dennoch bei der Bevölkerung nicht auf ungeteilte Freude stieß. Die vielen, heute noch im streng katholischen Land verehrten Naturgottheiten sind Reminiszenzen an die Zeit des Heidentums. Zum Anderen war die mündliche Weitergabe der Sagen und Märchen während der Zeit der russischen Besetzung im 19. Jahr- hundert für das Volk die einzige Möglichkeit das nationale Erbe zu erhalten, da die lateinische Schrift verboten wurde und nur wenige das kyrillische Alphabet erlernten.
Juodkrante eignet sich besonders als Ausgangspunkt zur Entdeckung der einzigartigen Natur der Nehrung. Zahlreiche Wanderwege führen von hier aus in die alten Wälder, in denen reichlich Pilze und Schwarzbeeren zu finden sind. Mit etwas Glück trifft man Elche, die sich in dem ursprünglichen Forst offensichtlich wohl fühlen. Nahe dem Ort liegt der Reiherberg (Garniu kalnas), in den Kronen seiner Bäume nisten unzäh- lige Kormorane und Graureiher. In südlicher Richtung, ungefähr auf halbem Weg nach Nida, liegen nahe der Ortschaft Pervalka (Perwlak), die Toten Dünen (Kupsten). Unter dem Neegelschen Berg (Nagliu kopa) liegt der Ort Neegeln begraben. Auf einer Wanderung durch die Dünen erlebt man die hypnotische Wirkung der brüllenden Stille.
Hotel in historischer Holzvilla
Juodkrante Hotels, Pensionen, Appartements, Autovermietung, Mietwagen, Restaurants
Gleichwohl der Ort sich wegen seiner zentralen Lage auf der Nehrung gut als Ausgangpunkt zur Erkundung derselben eignet, ist es nicht unbedingt geraten, in Juodkrante Hotels oder Pensionen zu mieten. Wie überall auf der Halbinsel, so haben auch hier die wenigen Hotels nicht das beste Preis-Leistungs-Verhältnis, die Restaurants bieten wenig einfallsreiche Kost für teures Geld. Wer im Rahmen einer Rundreise die Kurische Nehrung kennen lernen oder auch einige Tage hier verbringen möchte, der findet in
Klaipeda (Memel)
gute und preiswerte Pensionen oder das passende Hotel aus allen Kategorien zu vernünftigen Preisen. Auch gibt es dort viele gute Restaurants und jede Menge Bars, Kneipen und Klubs. Es lohnt sich also, in Klaipeda zu wohnen und Tagesausflüge mit Mietwagen, Mietfahrrad oder Linienbus auf die Nehrung zu unternehmen, die man in wenigen Minuten mit der Fähre erreicht hat. Für Gruppen bieten wir jedoch auf Nachfrage auch Übernachtungen in Juodkrante an, z.B. in einer zum Hotel ausgebauten, 1863 errichteten Holzvilla.