Wasserfälle im Baltikum...
...wo die Natur noch ungezähmt und wild ist.
Der Jägala-Wasserfall am Glint
Im recht flachen Baltikum, dessen höchster Berg Suur Munamägi kaum mehr als 300 m hoch ist, findet man dennoch verschiedene Naturschönheiten. Obwohl vielleicht kaum vermutet, verfügt das flache Land auch über einige Wasserfälle. Die meisten Wasserfälle liegen an der nördlichen Steilküste Estlands. Der baltische Glint, eine Kalksteinwand, die sich durch ganz Nordestland zieht, bildet an der Nordküste am Finnischen Meerbusen eine Steilwand, die man am besten vom Meer aus sehen kann.Sämtliche Flussläufe, die in den Finnischen Meerbusen entwässern, müssen diesen Höhenunterschied passieren. So sind mehrere bizarre kleinere oder größere Wasserfälle entstanden. Besondere Anziehungskraft haben die Wasserfälle im Frühjahr wenn die Tauperiode einsetzt und die Wasserfälle ordentlich mit Wasser speist. Auch im Winter muss man so einen estnischen Wasserfall gesehen haben. Die Winter in Estland sind so hart, dass die Fälle über lange Perioden gänzlich zufrieren. Nur am tosenden Fallgeräusch und einigen wenigen offen Stellen, die nicht mit Eis bedeckt sind, kann man den Wasserfall erkennen.
Jägala-WasserfallDer
Wasserfall Jägala unweit der Schnellstraße Tallinn - Narva liegt auf dem Territorium des Nationalparks Lahemaa und ist mit knapp 8 Metern Höhe und 14 Metern Breite der größte Estlands. Der Fluss Jägala liegt im Wassereinzugs- gebiet von Mooren und Wäldern. Die auf ihn einwirkenden Wasserkräfte sorgen jährlich für das Abbrechen von ca. 3 cm der kalksteinernen Fallkante.
Bei Ontika liegt der höchste Teil der nordestnischen Kalkseinsteinwand (über 50 Meter hoch). Unweit davon bei Valaste beeindruckt der höchste Wasserfall Estlands, der 26 m tief zum Finnischen Meerbusen abfällt. Obwohl er erst im 19. Jahrhundert durch Anlage eines Abwasserkanals entstanden und nicht sehr breit ist, hinterlässt er bleibende Eindrücke. Für Besucher wurde extra eine Aussichtplattform, die man hinuntersteigen kann, angelegt. Von ihr kann man hervorragend die verschieden alten Gesteinsschichten aus 100 Millionen Jahren, die an der Rückwand des Falles zu sehen sind, studieren.
Keila-WasserfallDer Keila-Wasserfall
Am alten Gutskomplex von Keila (westlich von Tallinn) liegt der Wasserfall Keila-Joa. Durch ständigen Abbruch der Fallkanten hat sich der Wasserfall über Jahrhunderte weiter weg vom Meer ins Landesinnere verlagert und ein 15 m tiefes Tal geformt. Grünliche Kalkablagerungen sind im Gestein zu erkennen, bräunlich dagegen schimmern Schieferablagerungen am Wasserfall.
Ventas RumbaDer Ventas Rumba bei Kuldiga
In Lettland und Litauen gibt es kaum Wasserfälle, da so steile Abbruchkanten wie in Estland hier nicht vorhanden sind. Lediglich einige Bachläufe und Flüsse bilden nach der Schneeschmelze oder starkem Niederschlag kleinere Wasserfälle bzw. Stromschnellen (z.B. an der Gauja in Lettland). Mit dem
Ventas Rumba im kurländischen Kuldiga verfügt Lettland aber über einen der breitesten Wasserfälle Europas. Seine Fallkante ist 249 m breit. Selten strömt die heute relativ wasserarme Venta aber in voller Breite über den Höhenunterschied.
Die ehemalige Hansestadt Kuldiga (Goldingen) wickelte einst über den Fluss ihren Handel ab. Von Ventspils an der Ostsee aus bis Kuldiga war der Fluss schiffbar, doch hier boot der unüberwindbare Wasserfall (obwohl kaum 2 m hoch) dem Flusshandel eine natürliche Grenze. Zur Zeit des erfolgreichen kurländischen Herzogs Jacob Mitte des 17. Jh. hatte man versucht, durch die Anlage eines Kanals (der allerdings nie fertig wurde) die Venta auch flussaufwärts von Kuldiga schiffbar zu machen.
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