Vilnius - Die Hauptstadt von Litauen
Barockmetropole des Baltikums
Blick auf die AltstadtVilnius, die Hauptstadt Litauens (engl. Lithuania) hat gegenüber den anderen Hauptstädten des Baltikums einen ganz eigenen Reiz - auf mehreren Hügeln gelegen und von unzähligen meist barocken Kirchtürmen überragt. Anders als Estland und Lettland können die Litauer stolz auf eine Eigenstaatlichkeit im Mittelalter zurückblicken. Ausdruck dafür ist ihre im 14. Jahrhundert begründete neue Hauptstadt Vilnius.
Großfürst Gedeminas lud 1323 Menschen allen Glaubens in seine junge Hauptstadt. Die Stadt hatte über Jahrhunderte viele Namen - die Litauer nannten sie Vilnius, die Polen Wilno, die Juden Wilne, Russen und Deutsche Wilna. Verschiedene Völker und Religionen lebten im 14. Jahrhundert in Eintracht nebeneinander. Litauen wurde erst durch die Personalunion mit dem polnischen Königshaus nach 1386 als letztes Land in Europa durchgreifend christianisiert. Neben Krakau entwickelte sich Vilnius zur zweiten Hauptstadt im riesigen Polnisch-Litauischen Großreich, welches zeitweise von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer reichte.
GediminasturmGedeminas ließ eine Burg an der Mündung des Flüsschens Vilnia in die Neris errichten. An ihn erinnert heute ein Denkmal auf dem Kathedralplatz von Vilnius und der Gedeminasturm (Obere Burg). Die Untere Burg wird derzeit rekonstruiert und soll zum 1000-jährigen Jubiläum der Ersterwähnung Litauens im Jahr 2009 fertig sein.
St. Annenkirche in VilniusBei der Stadtbesichtigung in Vil- nius kommt man an den unzähli- gen Kirchen nicht vorbei. Die ka- tholische Kathedrale hat als ältes- te Kirche Litauens ihre Ursprünge bereits im 13. Jahrhundert, ein vielbesuchtes Schmuckstück ist die Kasimirskapelle. Gesehen ha- ben sollte man unbedingt die aus 32 verschiede- nen Backsteinarten erbaute St. Annenkirche und die Bernardinerkir- che (mittelalterliche Wandfresken) im sog. "Gotischen Winkel" aus dem 15. Jahrhundert, sowie die etwas außerhalb der Altstadt liegende Peter-und-Paul-Kirche mit ihren wunderbar restaurierten barocken Stuckarbeiten.
St. Johanneskirche in VilniusEin kleines Barockwunder ist auch die zur Universität von Vilnius mit ihren verschiedenen Innenhöfen (teilweise im Stil der italienischen Renaissance) gehörende St. Johanneskirche. Die Universität in Vilnius ging aus einem Jesuitenkolleg hervor und ist mit Gründungsjahr 1579 die älteste und traditionsreichste Hochschule nicht nur des Baltikums sondern ganz Ostmitteleuropas.
Wegen seiner vielen Kirchen ist Vilnius schon oft "Rom des Nordens" genannt worden, aber auch "Jerusalem des Ostens", denn bis vor dem Zweiten Weltkrieg lebten in der Stadt, die einst im Mittelalter als tolerant in Europa gegolten hatte, bis zu 80.000 Juden. Wilne, wie sie die Stadt nannten, wurde zu einem Zentrum der jüdischen Aufklärung. Nur eine von einst bis zu einhundert Synagogen erinnert heute noch an das jüdische geistliche Erbe der Stadt.
Die Nazis pferchten die Judenschaft ins Ghetto von Vilnius und löschten die jüdische Bevölkerung der Stadt nahezu aus. Nicht vergessen sollte man, dass infolge des Zweiten Weltkrieges die Bevölkerung von Vilnius großenteils "ausgewechselt" wurde. Zehntausende Polen, die vor dem Krieg die größte Bevölkerungsgruppe gestellt hatten, wurden am Kriegsende von den Sowjets vertrieben, die Juden waren von den Nazis ermordet worden. V.a. Russen und Litauer aus der Provinz siedelten sich nun in der Stadt an.
Tor der MorgenröteHeute hört man in Vilnius wieder viel Polnisch besonders, wenn gerade polnische Pilgergruppen am berühmten "Tor der Morgenröte" beten. Das Bildnis der Madona von Vilnius wird sowohl von Katholiken als auch Orthodoxen verehrt. Zeitweise kann man das Stadttor, in dem sich das Heiligenbildnis befindet, vor Massen von betenden Pilgern nicht passieren. Immer läutet in Vilnius irgendwo eine Kirchenglocke. Daneben spürt man viel optimistische Modernität in Cafes, Restaurants und auf den Straßen der Stadt.
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