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Die Wasserburg von Trakai in Litauen

Trakai - einstige Hauptstadt von Litauen

Wasserburg in Trakai
Wasserburg in Trakai
Die meistbesuchte Sehenswürdigkeit in Litauen ist die malerisch gelegene Wasserburg von Trakai, unweit von Vilnius. Trakai war die mittelalterliche Hauptstadt Litauens und im 14. und 15. Jahrhundert Residenz der litauischen Großfürsten, noch bevor Vilnius zur Hauptstadt wurde. Die Großfürsten Kestutis und sein Sohn Vytautas begannen am Ende des 14. Jahrhunderts mit dem Bau zweier Burgen in Neu-Trakai - inmitten eines Seenlabyrinths. Man nutzte die natürlichen Vorzüge solcher Wasserburgen gegen die ständigen Angriffe der deutschen Ordensritter, die zuweilen auch versucht haben, auf dem Weg gen Vilnius Trakai zu umgehen.
Vytautas der Große
Vytautas der Große
Die Inselburg im Galve-See war die Hauptresidenz der Großfürsten vom Ende des 14. bis Ende des 15. Jahrhunderts. In jener Zeit wurden hier hohe Gäste empfangen, die gewöhnlich in der nahe gelegenen zweiten Burg, der sog. Halbinselburg (heute Ruine) untergebracht wur- den. Ein Dutzend Mal war z.B. der Vetter des Großfürsten Vytautas, der polnische König Jogaila (poln. Jagiello) hier zu Gast. Vytautas selbst starb 1430 in Trakai, noch bevor es ihm gelungen war, sich zum König Litauens krönen zu lassen.
König Jogaila
König Jogaila
Er war gemeinsam mit seinem Vetter Jogaila der Sieger der Schlacht von Tannenberg 1410 gegen den Deutschen Orden. Die- ser Sieg nahm den militärischen Druck auch von Trakai. Bald danach hatte die Wasserburg Trakai ihren Verteidigungscharakter verloren und wurde bereits im 16. Jahrhundert als Gefängnis für Edelleute genutzt. 1655 wurde sie ebenso wie die Halbinselburg beim Angriff der Russen zerstört und nicht wieder aufgebaut. Erst im 20. Jahrhundert machte man sich - nicht zuletzt aus Nationalstolz - daran, die einst wichtigste Burg der litauischen Groß- fürsten wieder aufzubauen. Dies dauerte bis Ende der 80er Jahre und teilweise musste ganz neu aufgemauert werden, da einfach nichts mehr vorhanden war.
Burggraben der Wasserburg
Burggraben der Wasserburg
Dies sollte der Besucher bedenken, wenn er in Trakai die einzige erhaltene Wasserburg in Osteuropa besichtigt. Man fühlt sich unweiger- lich an die ebenso schöne backsteingotische Marienburg im einstigen Westpreußen - Hauptburg der damaligen militärischen Gegner Litauens - erinnert. Die Wasserburg Trakai wurde sowohl aus Feldsteinen als auch aus Backsteinen erbaut. Die Hauptburg trennt ein tiefer Burg- graben von der großen Vorburg mit den Kasematten für die Burg- mannschaften. Über diesen Burggraben führte eine von der Hauptburg aus zu bedienende Zugbrücke. Der Graben ist heute trocken, da sich der Wasserspiegel des Galve-Sees inzwischen auf ca. 1,50 m gesenkt hat.
Karäische Tracht
Karäische Tracht
In der rekonstruierten Wasser- burg ist heute eine historische Ausstellung über die Großfürsten und die Geschichte Trakais zu se- hen. Eindrucksvoll ist vor allem der von einem Sterngewölbe über- spannte Repräsentationssaal mit Resten von bunten Fresken im byzan- tinischen Stil aus dem 15. Jahrhundert. Trakai musste eine kleine Hauptstadt bleiben. Die kleine Stadt mit Magdeburger Stadtrecht hatte - eingezwängt von den Seen - kaum Entwicklungsmöglichkeiten. Vy- tautas hatte von seinen Krimfeldzügen ca. 400 karaimische Familien eines turkstämmigen Nomadenstammes in Trakai angesiedelt.
Kenesa in Trakai
Kenesa in Trakai
Sie ließen sich in der so genannten Kleinen Stadt (getrennt von den christlichen Einwohnern) nieder und waren von Steuern befreit. Sie dienten den Großfürsten über Generationen als treue Palastwachen. Die mit den dreifenstrigen Giebeln zur Straße hin stehenden Holzhäu- ser im Zentrum von Trakai sind typisch für die karaimische Bevölkerung in Trakai. Sehenswert ist das Bethaus der Karaimen, die Kenessa. Sie sind eine jüdische Religionsge- meinschaft, die nach der Thora lebt, den Talmud aber ableht. Heute gibt es leider nur noch ca. 70 karaimische Familien in Litauen. Ein kleines Museum erinnert an ihre Herkunft und Geschichte in Litauen.


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