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Die Stadt Tartu (Dorpat) in Estland

Geschichte der traditionsreichen estnischen Studentenstadt

Ruine des Doms
Ruine des Doms
Tartu (dt. Dorpat) ist mit mehr als 100.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Estlands. Das Stadtbild wird geprägt vom Embach, estn. Emajogi, und dem Domberg über der Stadt. Hier schaffen die Ruinen der einst größten Kirche Alt-Livlands und ehrwürdige Denkmäler für ruhmreiche Wissenschaftler der Dorpater Universität, der zweitältesten des Balti- kums, eine besondere Stimmung. Eine geschichtsträchtige Stadt mit Universität oder umgekehrt.
Universität Tartu
Universität Tartu
In der einzigen echten Universität Estlands studieren heute mehr als 18.000 Studenten, darunter zunehmend Ausländer z.T. auch aus Finnland. Ihre besondere Ausrich- tung liegt traditionell auf naturwissenschaftlichen Fächern. Der Ort wurde bereits 1030 erstmals in russischen Chroni- ken erwähnt und ist somit eine der ältesten belegten Siedlungen im Baltikum. Bereits im 1. Jahrtausend befand sich an der Stelle, an der sich heute Tartu befindet, eine Holzfestung. Diese wurde im Jahre 1030 von Truppen des russischen Fürsten Jaroslaw des Weisen erobert. Da dieser Kampf in die Chroniken eingegangen ist, wird dies als Gründungszeit von Tartu anerkannt.
Der Ort wurde damals als Tharbata bezeichnet. Die Esten eroberten Tartu im Jahre 1061 wieder zurück. Als der Ort 1224 an den Livländischen Orden fiel, wurde er in Dorpat umbenannt. Der Hanse trat die Stadt, die an einer wichtigen Handelsstraße zwischen Reval (Tallinn) und Russland lag, 1280 bei. 1558 (bis 1582) fiel Dorpat im Livländischen Krieg an die Russen. Durch einen Friedensvertrag fiel ganz Südestland und somit auch Dorpat danach an Polen. Immer wieder änderte sich die Vorherrschaft durch die Jahrhunderte, so fiel Tartu auch lange Zeit an die Schweden.
Gustav II. Adolf
Gustav II. Adolf wird gewienert
Der heute noch in Estland als Begründer der "guten alten schwedischen Zeit" verehrte schwedische König Gustav II. Adolf gründete 1632 die nach ihm benannte Universität "Academia Gustaviana" in Dorpat. 1699 musste die Universität nach Pernau (Pärnu) verlegt werden. 1802 wird sie in Dorpat als deutschsprachige Universität im Zarenreich wieder eröffnet. In dieser Zeit wird Dorpat ein wichtiges Zentrum für die Wissenschaft im Russischen Reich. So entwickelt sich ein vielfältiges Studentenleben, was auch heute noch das Innenstadtbild prägt.
Klassizistisches Rathaus in Ta
Klassizistisches Rathaus in Tartu
Da Dorpat ein wichtiger Knotenpunkt auf der Poststraße zwischen Königsberg und St. Petersburg war, wurde sie in den Jahren zwischen 1763 und 1767 als russische Festungsstadt ausgebaut. Im Jahre 1775 zerstörte eine Brandkatastrophe die Stadt, die dann Anfang des 19. Jahrhunderts im klassizistischen Stil wieder aufge- baut wurde. Nachdem sich die Esten im 19. Jahrhundert aus der Leibeigenschaft befreit hatten, begann sich ihr nationa- les Selbstbewusstsein zu entwickeln. Ausdruck dafür war das erste große Sängerfest im Baltikum von 1869 in der Universitätsstadt Dorpat - Tartu.
Doch während der Russifizierungszeit am Ende des 19. Jahrhunderts wurde die dt. Lehrsprache an der Universität mit dem Russischen ersetzt. Dorpat bekam 1893 den alten russischen Namen Jurjew, erst nach der Unabhängigkeit Estlands 1918 bekam die Stadt durchgehend den bleibenden Namen Tartu. Bedeutend für die Entwicklung des Handels der Stadt war die Eröffnung der Bahnstrecke Tartu - Tapa 1867, da dadurch der Bahnverkehr zwischen Reval - Tallinn und St. Petersburg möglich war, ebenso die Verbindung nach Riga über die Tartu - Valga - Strecke. In Tartu beeindruckt bis heute ein sehenswerter aus Holz errichteter Bahn- hof aus der Zarenzeit.


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