Die Geschichte der Stadt Siauliai in Litauen
Der Berg der Kreuze - bekanntester Wallfahrtsort Litauens
Die Stadt Siauliai liegt im Norden Litauens und ist die viertgrößte Stadt in Litauen. Bereits 1524 wird Siauliai erstmals urkundlich erwähnt. Als ein weiteres wichtiges Datum gilt das Jahr 1236 als der litauische Großfürst Mindaugas in der "Schlacht von Schaulen" den Schwertritterorden vernichtend schlug. Aber nicht nur deshalb ist Siauliai wichtig für Litauen. Die dort angesiedelte Industrie spielt ebenfalls eine große Rolle. Neben Holzverarbeitung und Lederwarenindustrie, die bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts existieren, also eine lange Tradition haben, ist der litauisch-deutsche Fahrradhersteller "Baltik Vairas" sehr wichtig. Diese Firma wurde 1951 gegründet und 1993 privatisiert.
Die Stadt selbst wurde mehrfach durch Kriege zerstört. Deshalb gibt es kein historisches Stadtzentrum. Im Innenstadtbereich wurde Mitte der 70er Jahre eine Fußgängerzone (Vilniaus gatve) geschaffen, die immer noch stark belebt ist. Am östlichen Ende der Fußgängerzone befindet sich die St. Peter- und Paul-Kirche, die einen 70 m hohen, weißen Turm hat. Die Kirche wurde 1625 erbaut.
Heute verfügt Siauliai über den NATO-Stützpunkt für die Luftverteidigung des Baltikums. Dieser befindet sich auf dem ehemaligen Gelände des militärischen Flughafens, der einst als einer der größten im europäischen Teil der Sowjetunion galt. Weiterhin hat Siauliai aber auch einen öffentlichen Flughafen für Gütertransfer und Personenverkehr.
Etwa 20 km nördlich von Siauliai an der Straße nach Riga befindet sich der Berg der Kreuze, einer der bekanntesten Orte in Litauen. Über die Entstehung dieses Wallfahrtsortes gibt es viele verschiedene Geschichten. So besagt eine, daß Mitte des 19. Jahrhunderts ein Bewohner eines in der Nähe liegenden Dorfes schwer krank wurde. Er versprach, falls er wieder gesund würde, ein Kreuz auf dem Berg aufzustellen. Nach seiner Genesung sprach sich seine Geschichte herum und so dauerte es nicht lange, bis andere Kreuze folgten.
Einer anderen Version zufolge habe man die ersten Kreuze zwischen 1831 und 1863 nach Aufständen gegen den Zaren aufgestellt. Man soll hier Aufständische heimlich begraben haben und für ihr Seelenheil seien die Kreuze aufgerichtet worden. Auch war damals das Aufstellen von Kruzifixen an Wegkreuzungen und Gehöften durch die russische Macht verboten.
Zwischen 1991 und 1993 haben Archäologen bei Ausgrabungen Hinweise darauf gefunden, daß sich dort einst eine Holzburg befunden haben muss. Sie fanden Feuerstellen, Alltagsgegenstände und Reste von Gebäuden aus dem 14. Jahrhundert.
In den Jahren 1941 bis 1952 haben viele Litauer Kreuze im Gedenken an ihre Angehörigen aufgestellt, die nach Sibirien verschleppt worden sind. Die sowjetische Regierung hat 1961 das erste Mal den Berg zerstören lassen. Über Nacht sind aber viele neue Kreuze aufgestellt worden. Dies hat sich mehrmals wiederholt. Inzwischen stehen unzählige Kreuze auf dem Berg. Zwischen den großen, die aus Holz, Metall oder Plastik bestehen, hängen viele kleine und auch Hunderttausende von Rosenkränzen. Neben den christlichen Kreuzen findet man auch orthodoxe Kreuze. Manche Besucher hängen auch kleine Zettel mit Bitten und Gebeten auf.
Im September 1993 hat Papst Johannes Paul II. den Berg der Kreuze besucht. Er hat ein großes hölzernes Kreuz aufrichten lassen. Bereits vor dem Besuch des Papstes war der Berg der Kreuze ein wichtiger Wallfahrtsort für Litauen und die restliche Welt.
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