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Ritter und Ritterorden im Baltikum

Ritteressen, Ritterspiele und Burgen - lebendiges Mittelalter im Baltikum

Ritterspiele in Haapsalu
Ritterspiele in Haapsalu (Hapsal)
Wer Estland und Lettland heute besucht, kommt an den Relikten, die aus der Kultur der Ritter im Mittelalter überkommen sind, nicht vorbei. Es gibt kaum eine Stadt, die nicht über eine wenigstens in Ruinen halbwegs erhaltene einstige Ritterburg verfügt.
Wo bleibt Kunibert?
Wo bleibt Kunibert?
In den mittelalterlichen Ritterburgen und in Burghöfen finden im Sommer mancherorts Ritterturniere, Ritterspiele, Ritterfeste, Rittergelage und Ritteressen statt, auch Mittelaltermärkte kommen langsam in Mode. So manche ehemalige Ritterburg verfügt noch über die eine oder andere Ritterrüstung aus der Ritterzeit.
Theatralisch kostümierte Führungen durch eine Ritterburg sorgen für stimmungsvolle Atmosphäre, so z.B. in Burg Jaunpils oder der Ordensburg Rakvere.
Emblem der Schwertbrüder
Emblem der Schwertbrüder

Schwertbrüderorden

Die Geschichte der Ritter im Bal- tikum ist eng mit der Eroberung und Christianisierung des Landes verbunden. 1202 gründete Bischof Albert, der Stadtgründer von Riga, den Schwertbrüderorden, der die Missionierung Livlands militärisch absichern sollte. Dies geschah, weil zu wenige Ritter aus Deutschland sich saisonal nach Livland zum Kreuzzug (ab 1199) gegen die hiesigen Heiden begaben. Man brauchte eine starke ständig verfügbare militärische Kraft im Land.
Kreuz des Deutschen Ordens
Kreuz des Deutschen Ordens

Deutscher Orden

Der Ritterorden war durch päpstlichen Befehl zunächst dem Bischof unterstellt, vertrat aber schnell seine eigenen Machtinteressen. 1207 sprach der Papst dem Orden ein Drittel des gesamten unterworfenen Landes zu, der Rest verblieb beim Bischof. So kam es damals schon zur Landteilung in Livland.

Livländischer Orden

Nach seiner Niederlage gegen Litauer und Semgaller 1236 in der Schlacht bei Schaulen zerbrach der Schwertbrüderorden und seine Reste schlossen sich dem Deutschen Orden in Ostpreußen an, der dort selbst erst im 3. Jahrzehnt des 13. Jahrhunderts Fuß gefasst hatte. Seitdem nennt man den baltischen Teil des Deutschen Ordens Livländischer Orden.
Entlang der Heerstraßen in Richtung Preußen (z.B. Goldingen - Kuldiga) sowie entlang der Grenzen seines Herrschaftsgebietes (z.B. Dünaburg - Daugavpils) wurde ein Netz aus Burgen errichtet. Die Schaffung einer Landverbindung zwischen preußischem und livländischem Ordensteil wurde von den Litauern vereitelt. Mitte des 14. Jahrhunderts erwarb der Deutsche Orden auch Nordestland von den Dänen.
Burg Wenden
Burg Wenden
Hauptburg der Ländereien des Livländischen Ordens wurde die Burg von Wenden (heute Cesis). Ihre mächtige Ruine mit klar erkennbaren drei Vorburgen zeugt heute noch von ihrer Wehrkraft. In der nahe gelegenen Johanniskirche sind zahlreiche Ritter und Ordensmeister beigesetzt worden. Die Stadt erinnert heute an ihre Tradition als einst faktisch zeitweise Hauptstadt Livlands. Heute könnte man Cesis zumindest als die Ritterhauptstadt Lettlands bezeichnen, denn hier findet alljährlich im Juli ein großes aufwendiges mittelalterliches Ritterfest statt. Dabei darf ein ordentliches Rittermahl und die Schau kompletter Ritterrüstungen und Ritter zu Pferde nicht fehlen.
Essentielles Ritterzubehör
Essentielles Ritterzubehör
In der Burgruine (erst nach der Ritterzeit zerstört) wurden ganze Teile von Waffen der Ritter gefunden, so ein Helm aus dem 15. Jahrhundert. Die Ritterschaft unterschied sich allerdings - es gab verschiedene Ab- stufungen. Die Ordenstracht der ordentlichen Ritter des Livländischen Ordens bestand aus weißem Mantel mit rotem Schwertkreuz. Die Priesterbrüder trugen eine weiße Kutte, die dienenden Brüder (die kein Keuschheitsgelübde ablegen mussten) trugen dagegen meist dunkle oder gänzlich schwarze Kleidung mit dem roten Schwertkreuz.
Der Livländische Orden erhielt nach der Säkularisierung Ostpreußens kaum noch militärische Hilfe aus Preußen. Er hatte aber vor allem durch das Zutun eines der letzten starken Ordensmeister, Wolter von Plettenberg, noch eine lange friedliche Übergangsphase. Erst 1561 wurde der letzte Ordensmeister des Livländischen Ordens, Gotthard von Kettler, Herzog von Kurland - angenommen als polnisches Lehen.
Einige Traditionen des Rittertums setzten sich allerdings im Baltikum fort. Die einstigen Familien der Vasallen von Orden oder Bischöfen schlossen sich schon früh zur Wahrung ihrer Interessen gegenüber den Landesherren in einer jeweiligen regionalen Ritterschaft (Livländische, Kurländische, Öselsche, Estländische Ritterschaft) zusammen. Polnische, schwedische und russische Landesherren hatten den einstigen Rittergeschlechtern ihre aus dem Mittelalter stammenden Privilegien garantiert, bis man nach der Gründung der Republiken Lettland und Estland die meisten Rittergüter enteignete. 1939 verließen die meisten ritterschaftlichen Familien das Baltikum.


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