Der ehemalige Künstlerort Nida (Nidden)...
...heute Haupt-Touristenziel auf der kurischen Nehrung
Fähre übers HaffSetzt man mit der Fähre von Klaipeda auf die Kurische Nehrung über und fährt entlang der alten Poststraße, die einst Königsberg und Memel verband, erreicht man in ca. einer Autostunde Nidden (Nida). Nidden ist mit ca. 1.500 Einwohnern der größte und meistbesuchte Ort der Nehrung.
Düne bei NiddenDas frühere Fischerdorf musste "auf der Flucht" vor den Wanderdünen im 18. Jahrhundert mehrmals seine Örtlich- keit wechseln. Von der über 50 m hohen Parnidder - (Parnidio) Düne hat man einen herrlichen Blick auf Haff, Ostsee und Nidden sowie auf die "Litauische Sahara" - die Sanddünen, die einst den alten Ortskern unter sich begru- ben. Buchstäblich im Sande verläuft hier die Grenze zum Kaliningrader Gebiet.
Berühmt wurde der alte Postkrug von Nidden als am 8. Januar 1807 das preußische Königspaar hier übernachtete. Damals wurde der preußische Hof auf der Flucht vor Napoleons Truppen über die Poststraße von Königsberg in die äußerste preußische Provinzstadt Memel verlegt.
Spätere Generationen waren überzeugt, daß es hier gewesen sein soll, dass die erkrankte Luise in schwersten Stunden auf der Durchreise mit ihrem Diamantenring die berühmten Worte in das vereiste Fenster geritzt habe: "Wer nie sein Brot mit Tränen aß...". Dies kam dem Postkrug zu Gute - er wurde später als Gasthof "Hotel Königin Luise" berühmt. An seiner Stelle befindet sich heute das Hotel "Jurate".
Thomas Mann HausEnde des 19. Jahrhunderts wurde das alte Fischerdorf Nidden von Absolventen der Akademie in Königsberg ent- deckt. Anziehungspunkt für sie wurde v.a. der Gasthof von Hermann Blode. Expressionistische Maler wie Ernst Mollenhauer - der spätere Schwiegersohn Blodes, Max Pechstein, Karl Schmidt-Rottluff sowie Schriftsteller wie Thomas Mann, Agnes Miegel, Ernst Wichert und Hermann Sudermann waren Gäste in der Künstlerkolonie von Nidden und ließen sich von der einzigartigen von Haff und Ostsee geprägten Natur inspirieren.
Der Gasthof von Blode wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zerstört und größtenteils durch einen Neubau ersetzt. Heute befindet sich an der Stelle das Hotel "Nidos Smilte". In einem Nebengebäude ist den Sommer über eine kleine Ausstellung über die ehemalige Künstlerkolonie im Gasthof Blode zu sehen.
In der Sowjetzeit wurde Nida zum schönsten Dorf nicht nur im Baltikum, sondern in der ganzen Sowjetunion. Die alten Gasthöfe mussten modernen Ferienanlagen weichen, erst spät bemühte man sich, alte ehem. Fischerhäuser zu retten und neue Häuser architektonisch der typischen Nehrungsarchitektur anzupassen.
Noch heute gibt es etliche historische meist blau oder rot gestrichene Holzhäuser mit Satteldächern aus Reet oder roten Ziegeln. Ein Spaziergang durch die Hauptstraße von Nida und entlang der Haffpromenade führt vorbei an einer Bernsteingalerie - eher ein kleines Bernsteinmuseum. Hier kann man viel über die Bernsteinverarbeitung und -förderung auf der Nehrung erfahren.
Heidnische Bräuche strenger KatholikenSchließlich führt die Straße am Friedhof von Nida vorüber. Hier liegt etwas erhöht über dem Haff die Ende des 19. Jahrhunderts errichtete evangelische Kirche, die heute auch katholischen Messen dient. Hier auf dem Friedhof kann man noch Dutzende der alten hölzernen Grabbretter (Krikstai) bewundern, wie sie typisch waren für die Bewohner der Nehrung. Die Nehrungskuren pflegten Traditionen, die uns heute merkwürdig erscheinen mögen. So trieb die Armut die Fischer zum alljährlichen Krähenfang, um das teuere Hausgeflügel zu ersetzen. Die Krähen wurden in Fässern eingesalzen und so haltbar gemacht. Mehr über diese und andere heute nicht mehr gepflegte Traditionen der Nehrung kann man im nahe gelegenen Historischen Museum von Nida erfahren.
• zurück zu Baltikum Infos (Übersichtsseite)