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Die Grenzstadt Narva und ihre zwei Festungen

Kurzer geschichtlicher Abriss, Narva heute

Narva auf der Landkarte
Narva auf der Landkarte
Narva ist mit seinen ca. 67.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt Estlands. Eigentlich müßte man sagen, die Stadt gehört nur formell zu Estland, denn nicht mehr als knapp vier Prozent der Einwohner sind hier ethnische Esten. Russisch dominiert in der östlichsten Stadt Estlands. Ein Großteil der russischen Bevölkerung wurde nach dem Zweiten Weltkrieg hier angesiedelt.
Hermannsfeste u. Iwangorod
Hermannsfeste und Iwangorod
Durchrei- sende Tou- risten neh- men die Stadt bestenfalls als Grenzstadt bzw. Grenzüber- gang zwischen Estland und Russland an der Hauptfernstraße Tallinn - St. Petersburg wahr. Symbolisch: die beiden sich am gleichnamigen Grenzfluss gegenüberliegenden Burgen - die Hermannsfeste auf estnischer und die Burg Iwangorod auf russischer Seite. Seit fast 800 Jahren besteht hier eine Grenze, die inzwischen die EU-Außengrenze bildet.
Alexanderkirche
Alexanderkirche
Bei der Stadt selbst hat man flüchtig betrachtet den Eindruck von Geschichtslosigkeit, man fühlt sich an Kaliningrad erinnert. Der größte Teil der barocken Zentralstadt wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört und in der Sowjetzeit hauptsächlich als Plattenbau wieder aufgebaut. Doch Narva hat eine lange traditionsreiche Geschichte als Handels- und Industriestadt.
Rathaus Narva
Rathaus Narva
Der Handelsplatz Narva bekam bereits Anfang des 14. Jahrhunderts Stadtrecht. Der Russlandhandel der Hanse lief auf dem Landweg von Reval (Tallinn) über Narva nach Nowgorod. Die Stadt war verwaltungspolitisch von Reval abhängig, Revaler Kaufleute genossen weitgehende Steuerprivilegien in Narva. Das mächtige Reval setze sich vehement gegen einen Beitritt Narvas zur Hanse ein, da es einen Konkurrenten im Nowgorodhandel befürchtete. Erst nach Zusammenbruch des mittelalterlichen Livland im Livländischen Krieg, stieg Ende des 16. und im 17. Jahrhunderts unter russischer und schwedischer Herrschaft der direkte Seehandel Narvas und die Stadt blühte auf.
Iwangorod
Iwangorod
Bereits im 13. Jahrhundert hatten die Dänen am Narva-Fluss eine Burg errichtet, die im 14. Jahrhundert an den Deutschen Orden verkauft wurde. Ende des 15. Jahrhunderts bekräftigten die Russen mit dem Bau der Burg Iwangorod (benannt nach Zar Iwan III.) am rechten Ufer des Narva-Flusses ihren Anspruch auf Ostseezugang, der sich im 17. Jahrhundert verstärkte.
Hermannsfeste
Hermannsfeste
Deshalb bauten die inzwischen schwedischen Herrscher Narvas Ende des 17. Jahrhunderts nach Plänen des Militäringenieurs Erik Dahlberg ihre Hermannsfestung (benannt nach ihrem höchsten Turm) stark aus. Dennoch wurde sie 1704 im Großen Nordischen Krieg von den Russen eingenommen.
Im Zweiten Weltkrieg wurde die Hermannsfeste stark zerstört, in der Sowjetzeit aber wieder aufgebaut. Nirgendwo sonst im Baltikum wird der Grenzcharakter der fast 800 Jahre alten östlichen Grenze deutlicher als hier in Narva, wo sich beide mächtige Burgen so nah beieinander und doch durch den Grenzfluss getrennt gegenüberliegen.
Kreenholmsche Textilmanufaktur
Kreenholmsche Textilmanufakturen
Wer lange genug sucht, kann in der Altstadt noch erhalten gebliebene historische Gebäude finden - das Rathaus aus der Peterzeit und die ehemaligen Kreenholmschen Textilmanufakturen. Der Name des mitteldeutschen Licht- quellenherstellers NARVA hat übrigens nichts mit der gleichnamigen Stadt in Estland zu tun, denn hier stehen N für Stickstoff, AR für Argon und VA für Vakuum.






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