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Mittelalter im Baltikum

Eine Reise in die Zeit der Ritter, Burgen und Kreuzzüge zwischen Arensburg und Medinikai

Drei Schwestern
Drei Schwestern

Mittelalterliche Architektur

Als Livland (heutiges Estland und Lettland) im Mittelalter durch Kreuzzüge von Fremden erobert wurde, lebten die Einheimischen noch zumeist in Holzhäusern und Holzburgen, die sich natürlich bis heute nicht erhalten haben. Geblieben sind aber zahlreiche Reste der steinernen Architektur, die die fremden Ritter, Kaufleute, Mönche und Nonnen (vor allem Dänen und Deutsche) im Mittelalter mitgebracht hatten. Erhalten ist viel Bausubstanz (Kirchen, Burgen, Stadtmauern, Bürgerhäuser, Gildenhäuser) aus dem Mittelalter in den großen Hansestädten Tallinn (Reval), Riga und Tartu (Dorpat). Ein bekanntes Beispiel mittelalterlicher Architektur sind die Drei Schwestern in Tallinn, die ein reicher Kaufmann für seine drei Töchter errichten ließ.

Vorburg der Arensburg
Vorburg der Arensburg

Arensburg (Kuressaare) auf Ösel (Saaremaa)

Viele kleinere Hansestädte vor allem in Lettland sind bereits am Ende des Mittelalters von Pest und Hunger fast völlig eingegangen (entvölkert) und entwickelten sich erst viel später zu kleinen Industriezentren. Hier ist heute häufig kein mittelalterlicher Stadtkern mehr auszumachen. Überkommen sind aber viele Burgen aus dem Mittelalter, die Ritter (Orden) und Bischöfe errichten ließen. Die mittelalterliche Burg diente häufig im Bedrohungsfalle auch als Fluchtburg für die umliegende Bevölkerung. Deshalb hatten die Burgen im Mittelalter in Livland meist großflächige Vorburgen, z.B. die Arensburg in der gleichnamigen Stadt (heute Kuressaare) auf der Insel Ösel (heute Saaremaa) mit weitläufigen Kasematten.
Konzert im Pirita-Kloster
Konzert im Pirita-Kloster
Die Klöster St. Brigitten (Pirita) und St. Katharinen in Tallinn sind in Resten erhalten, die mächtigen Ruinen laden im Sommer zu Konzerten mit Musik aus dem Mittelalter ein.
Restaurant in Tartu
Restaurant in Tartu
Fast authentisch Essen und Speisen wie im Mittelalter - das ist möglich vor allem in der Altstadt von Tallinn, wo mittelalter- liche Rezepte (noch ohne Kartoffeln!) die Speisekarten vieler Restaurants in mittelalter- lichen Gebäuden und Kellern prägen. Mittelalterliche Lieder und Musik auf historischen Instrumenten (Dudelsack oder Sackpfeifen z.B.), Mittelaltermarkt auf dem Rathausplatz, die mittelalterliche Kleidung der Bedienung in Restaurants - das alles gibt der ehemaligen Hansestadt Tallinn ein unvergleichliches mittelalterliches Ambiente. Doch auch in Riga, Vilnius, Tartu und weiteren Städten können Sie in urigen Kellerrestaurants zünftig speisen - Baltikum Tours bucht Ihnen gerne Ihr Dinner.
Bernt Notkes Totentanz
Ausschnitt aus Notkes Totentanz
Mittelalterliche sakrale Kunst (u.a. Holzaltäre und den berühmten Totentanz von Bernt Notke) kann man im Museum für mittelalterliche Kunst in der Nikolaikirche bewundern.
Burg Wesenberg (Rakvere)
Burg Wesenberg im Sommer
Wie ein echtes Mittel- alterspektakel wirkt an Sommertagen die Burg Rakvere in Nordest- land - im Mittelalter eine der wichtigsten Burgen zwi- schen Tallinn und Narva. In der ehemaligen Burg Wesenberg (Rakvere) des Livländischen Ordens, auf einer Erhebung über der Stadt gelegen, kann man sich im Sommer täglich in das Leben im Mittelalter hineinversetzen. Begrüßt werden Gruppen gern mit einem anständigen Kanonenschuss, Schafe, Ziegen und Kleinvieh rennen frei und durcheinander über den riesigen Hof der Vorburg, überall Stroh und...
Ritter in Rakvere
Ritter in Rakvere
Das Museumspersonal trägt mittelalterliche Gewänder und zeigt die Handhabung von typischen Waffen - u.a. Schwerter und Schilde, wie sie im Mittelalter üblich waren. An manchen Tagen bieten Bauern und Handwerker ihre Mittelalter-Waren feil. Ritter in Rüstung und Alltagskleidung sind zu sehen, manchmal gibt es Ritterturniere zu Pferde. Leben wie im Mittelalter, einer Stadt oder Burg im Mittelalter soll auf dieser Burg den Besuchern vermittelt werden.
Folterkeller in Rakvere
Folterkeller in Rakvere
Doch nicht nur mit dem Leben hat man sich im Mittelalter beschäftigt, auch mit dem Tode. In einem Teil der Burg können Sie mit dem Henker der Burg nachgebaute Folterwerkzeuge, wie eine Streckbank in Augenschein nehmen. Mit Folter wurden im Mittelalter Geständnisse erpresst, von Hexen, Bauern u.a. Tatverdächtigen, ob sie sich wirklich schuldig gemacht hatten, war nebensächlich. Mit der Folter erreichte ein jeder Folterknecht sein Ziel. Die Folterkammer ist nichts für schwache Nerven hier in Rakvere!

Holzkirche in Medininkai
Holzkirche in Medininkai

Trakai und Medininkai bei Vilnius

In Litauen locken wegen der eigenen Geschichte im Mittelalter andere mittelalterliche Attraktionen - vor allem die ehemalige mittelalterliche Hauptstadt Trakai mit ihrer imposanten Wasserburg aus Backstein, Reste der Oberen Burg in Vilnius sowie der von Kurland aus gegründeten Memelburg in Klaipeda. Etwas weniger bekannt doch vielleicht gerade wegen ihrer Abgeschiedenheit und Ruhe sehenswert sind die Ruinen der Burg in Medininkai nahe Vilnius an der Grenze zu Weißrussland, eine der wenigen Burgen in Litauen aus Stein. Leider sind nur noch die Außenmauern erhalten, doch das nebenan gelegene Kloster beherbergt eine der schönsten Holzkirchen im Baltikum. Auch in Litauen gibt es vielerorts Mittelalterfeste, Mittelalterspektakel, Ritterturniere und mittelalterliche Essen.


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