Kurland - die westliche Provinz Lettlands
Natur und Geschichte, Herzöge und Schlösser
Kurland auf der KarteKurland bezeichnet den westlichen Teil Lettlands (westlich von Riga), die gesamte kurländische Halbinsel mit den Großstädten Ventspils und Liepaja. Das Land ist zumeist flach, lediglich in der sog. Kurländischen Schweiz um die Städte Sabile, Kuldiga, Talsi gibt es kleinere Hügelrücken. Größter Fluss ist die Venta (im Mittelalter schiffbar bis Kuldiga). Riesige Waldgebiete erstrecken sich rund um das Kap von Kolka (in der Sowjetzeit militärisches Sperrgebiet).
Kap von KolkaDer Name der Region Kurland leitet sich vom baltischen Stamm der Kuren her, die seit dem Ende des 1. Jahrtau- sends in Mittel- und Westkurland (bis Memel/Klaipeda) nachweisbar sind. Sie sind später in den Letten aufgegan- gen. Heute erinnert der Name der Region (lett. Kurzeme) noch an die einstigen manchmal aufgrund ihrer Raubzüge entlang der Ostseeküste als "Wikinger des Baltikums" bezeichneten Bewohner. Rund um das Kap von Kolka, an der Nordspitze der riesigen Halbinsel lebten zu jener Zeit noch ostseefinnische Liven, die im Laufe des 11. und 12. Jahrhunderts immer mehr von den Kuren nach Nordosten abgedrängt bzw. assimiliert wurden.
Ordensburg in VentspilsIm 13. Jahrhundert wurden die Kuren von Riga her vom Livländischen Orden unterworfen. Der Name Kurland wurde für das neue geschaffene Bistum übernommen. Dieses war Teil des sog. Livländischen Staatenbundes. Sehenswert ist heute die restaurierte Burg des Livländischen Schwertbrüderordens bei Ventspils (ehemals Windau). Als das mittelalterliche Livland infolge von Kriegen und Reformation 1561 zusammenbrach, wurde der letzte Ordensmeister Livlands, Gotthard von Kettler, im selben Jahr zum ersten "Herzog von Kurland und Semgallen" - eines neu geschaffenen Staates unter litauischer, später polnischer Lehnshoheit. Berühmtester Vertreter der Kettler-Dynastie war Mitte des 17. Jahrhunderts Herzog Jacob, der eine große Handelsflotte aufbaute und das Land zu einer wirtschaftlichen Blüte führte. Ihm gelang es sogar kurzzeitig, Kolonien in Gambia und Tobago für Kurland zu erwerben.
Ernst Johann von BironNachdem der letzte Kettlerherzog 1737 gestorben war, wurde Ernst Johann von Biron, ein Günstling der ehem. kurländischen Herzogin Anna Ivanovna (Nichte von Peter I.) und nunmehrigen Zarin, von der kurländischen Adelsversammlung zum Herzog gewählt. Trotzdem er unter den Nachfolgern auf dem Zarenthron über Jahrzehnte in Ungnade fiel und verbannt wurde, gelang es ihm unter Katharina II. 1763 wieder in Kurland Fuß zu fassen. Sein Sohn Peter von Biron verließ 1795 das Land und zog sich auf seine Güter in Schlesien, Preußen und Böhmen zurück, nachdem durch die letzte Polnische Teilung Kurland ein Teil Russlands geworden war. 1918 wurde Kurland (lett. Kurzeme) eine der drei Großregionen Lettlands neben Livland (lett. Vidzeme) und Lettgallen (lett. Latgale) - symbolisiert in drei Sternen im lettischen Staatswappen.
Schloss Rundale im WinterLohnenswerte Touristenziele sind heute die ehemalige Residenzen der Herzöge von Kurland. Schloss Rundale (dt. Ruhental), 1767 als barocke Sommerresidenz fertig gestellt, wird auch häufig als "Versailles Lettlands" bezeichnet. In liebevoller Kleinarbeit nach Originalplänen des russischen Hofarchitekten F.B.Rastrelli restauriert, ist es heute die beliebteste Sehenswürdigkeit in der lettischen Provinz Zemgale, ursprünglich im Herzogtum Kurland und Semgallen. Auch das Hauptschloss der Herzöge in der ehemaligen kurländischen Hauptstadt Jelgava (dt. Mitau) beeindruckt durch seine riesigen Ausmaße. Hier ist heute die Landwirtschaftshochschule Lettlands untergebracht. Interessierte Besucher können die Gruft der Kurländischen Herzöge im Kellergewölbe des Schlosses besichtigen. Auch die ehemaligen Residenzstädte Kuldiga (malerische Altstadt an der Venta) und Bauska (Burg) sind lohnenswerte Ausflugsziele.
Wildpferde im Pape-NaturschutzgebietCa. 20 km südlich von Liepaja (Liebau), kurz vor der Grenze zu Litauen und damit auch gut von Klaipeda (Memel) aus in einem Tagesausflug zu erreichen, liegt der Pape-Naturpark. Die abwechslungsreiche Landschaft wartet mit Dünen, Sümpfen, Wäldern und Seen auf, die zum Paddeln einladen, und einer enormen Artenvielfalt der Flora und Fauna. Auf geführten Wanderungen können Sie Wildpferde in einer der letzten Populationen Europas sehen. Baltikums Tours organisiert auf Wunsch geführte Kanu- und Wandertouren.
Kurland wurde auch am Ende des Zweiten Weltkrieges bekannt, als sich der sog. Kurland Kessel bildete. Als die Rote Armee im Frühherbst 1944 bis zur Ostsee bei Memel (Klaipeda) vorstieß, wurden Hunderttausende dt. und lettische Soldaten und Zivilsten eingeschlossen. In insgesamt sechs Schlachten gelang es der Sowjetarmee bis zum 8. Mai 1945 nicht, den Kessel zu besetzen. Dies ermöglichte Tausenden von lettischen Flüchtlingen die Flucht über die Ostsee. An die blutigen Ereignisse im Kurland-Kessel erinnern große Soldatenfriedhöfe, so z.B. in der Nähe von Saldus.
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