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Das Seebad Jurmala an der Bucht von Riga

Größtes Seebad des Baltikums - mit mehr als 30 km Strand

ehemaliges Strandhotel
ehemaliges Strandhotel
Kaum 25 km von Riga entfernt liegt Jurmala - das größte Ostseebad des Baltikums. Der Kurort erstreckt sich auf über 30 km Länge entlang der Südküste der Rigaer Bucht. Im Rücken von Jurmala fließt der Fluss Lielupe (dt. einst Kurländische Aa). Zwischen Meer und Fluss liegt Jurmala so praktisch auf einer Nehrung. Noch zu Anfang des 19. Jahrhunderts gab es hier nur ein paar Fischerhöfe. Nach dem siegreichen Vaterländischen Krieg der Russischen Armee gegen Napoleon interessierten sich immer mehr erholungsbedürftige Kriegsveteranen für das hübsche Fleckchen am Meer.
Ortsansässige Fischer, Bauern und auch die Güter begannen, Räum- lichkeiten für die zunehmende Zahl von Sommergästen aus der nahen russischen Gouvernementstadt Riga zu schaffen. Während der Typhus- epedemien Anfang des 19. Jahrhunderts flüchteten viele Rigaer Familien in die nahegelegenen Fischerdörfer mit ihrer gesunden Seeluft. Später bildete sich eine Tradition heraus, die Sommer in den Dörfern zu verbringen. Bald kam auch das Baden im hier flachen Meer mit seinem feinen Sandstrand in Mode. Badeärzte erreichten, dass die Infrastruktur der einzelnen noch recht unterentwickelten Zentren des heutigen Jurmala (v.a. des ersten Badeortes Dubbeln, heute Dubulti) von der russischen Zentralregierung ordentlich gefördert wurde.
Elektritschka
Elektritschka
Anfangs war die Anreise von Riga in die Dörfer des "Rigaer Strandes", wie man zusammenfassend sagte, recht be- schwerlich nur mit Kutschen zu bewältigen. Die Kurländi- sche Aa (Lielupe) musste mit einer Prahm (Fähre) passiert werden. Erst 1844 wurde eine regelmäßige Dampferlinie zwischen Riga und den Dörfern des Riger Strandes (Jurmala) eingerichtet. 1877 versetzte die Einweihung der Eisenbahnlinie Riga-Tuckum über die Badeorte am Rigaer Strand, dem Badeverkehr einen großen Impuls. Bald reichten die Sommerquartiere der Ortsansässigen nicht mehr aus und wohlhabende Rigenser erwarben Grund- stücke. Hölzerne Sommerhäuser sprossen nun wie Pilze aus dem Boden und die langen Prospekte an denen sie erbaut wurden, verbanden bald die einstigen Fischerdörfer.
Holzvilla in Jurmala
Holzvilla in Jurmala
Kaum nahte der Sommer, machte sich, wer es sich leisten konnte, mit Kind und Kegel per Bahn oder Dampfer von Riga auf in das Ostseebad. Viele namhafte deutschbaltische, lettische und russische Adlige und Bürger hatten hier Sommerhäuser oder Villen. Vor dem Ersten Weltkrieg kamen Massen von Sommergästen aus den russischen Großstädten Petersburg und Moskau, aber auch aus Warschau. Direkte Zugverbindungen mit Petersburg hatte auch das berühmte Schwefelbad Kemmern (Kemeri). Der Erste Weltkrieg unterbrach die Entwicklung des Ostseebades, da die Front dem Ort zeitweise gefährlich nahe war. In den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts kam es Dank einer umfangreichen Werbekampagne der lettischen Behörden wieder zu einem Aufschwung des Badeverkehrs. Neue Gäste kamen aus Skandinavien und Deutschland. Man orientierte sich v.a. an den deutschen Ostseebädern und Sopot.
Jurmala Gewitter
Strand bei Jurmala kurz vor dem Gewitter
In der Sowjetzeit wurde Jurmala zu einem hochmodernen Kurort mit vielen neuen Bettenburgen, Sanatorien und Ferienheimen der Partei, des Komsomol, der Roten Armee sowie von Betrieben und Pionierorganisationen. In den 80er Jahren hatte Jurmala die Grenze des Verkraftbaren erreicht. Die Zellulosefabrik von Sloka spülte giftige Abwässer in die Rigaer Bucht, so dass nicht mehr gebadet werden konnte. Heute gibt es diese Fabrik seit langem nicht mehr. Die Wasserqualität ist inzwischen so gut, dass den Stränden alljährlich die Blaue Flagge verliehen wird.
Ausflugsboot auf der Lielupe
Ausflugsboot auf der Lielupe
Im Sommer kommt man am besten mit dem Ausflugsboot von Riga über die Daugava und Lielupe nach Jurmala, entlang an Sanddünen mit ausgedehnten Kiefernwäldern. In Jurmala sollte man die ganze Vielfalt an hölzernen Sommerhäusern und Privatvillen in Augenschein nehmen. Zu besichtigen ist z.B. das an der Lielupe gelegene ehem. Sommerhaus der lettischen Dichterin Aspazija.
Sehenswert sind auch die häufig noch aus der Zarenzeit stammenden hölzernen Bahnhofsgebäude der verschiede- nen Ortsteile. An die Namen der einstigen Fischerdörfer erinnern heute fast nur noch die Bahnhofs- oder Straßennamen: Bulduri (einst Bilderlingshof), Majori (Majorenhof), Dubulti (Dubbeln), Kemeri (Kemmern) u.a. Das Freilichtmuseum im Ortsteil Lielupe bietet Einblick in das Fischerleben des 19. Jh. Im etwas landeinwärts liegenden Kemeri (auch zu Jurmala gehörend) kann man im Kurpark mit den schwefelhaltigen Quellen den 1936 erbauten Kurpalast von Kemeri bestaunen. Er wirkt aufgrund seiner Ausmaße und Farbe wie ein "Weißes Schloss". Demnächst soll er ein Kempinski-Hotel beherbergen.


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