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Der Jugendstil in Riga und im restlichen Baltikum

Jugendstilarchitektur - Eklektizismus von Michail Eisenstein, Neuromatik von Eizens Laube und viele weitere Bauten lettischer, russischer und jüdischer Architekten

Die Jugend
Die Jugend - Ausgabe von 1906
Der Jugendstil ist eine Kunstrichtung, präsent in Architektur, Literatur, Malerei, Plastik, Glaskunst, die um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert entstanden ist. Die Bezeichnung Jugendstil gründet sich auf die Münchener Kulturzeitschrift "Die Jugend", wobei dieser Name fast nur im deutschen Sprachraum benutzt wird. Andere Begriffe für Jugendstil sind unter anderem Art Nouveau, Wiener Secession oder Modern Style.
Frauenkopf mit floralen Elemen
Frauenkopf mit floralen Elementen
Die Entwicklung des Jugendstils folgte auf den Historismus und übernahm daraus auch die Verbindung von künstlerischem Anspruch und Praktikabilität. Allerdings wollten sich die Künstler vom alten Stil abgrenzen und etwas Neues kreieren, wobei die Bewegung des Jugendstils keine einheitliche Schule der Kunst war. Oft diente im Jugendstil die Natur als Vorlage für die Ornamente und Motive. Dies ist auch an den typischen geschwungenen Linien zu erkennen. Ein Hauptmotiv neben Pflanzen (floraler Jugendstil) und Tieren sind Frauen, die Engeln gleichen. Oft geht ihr langes, wehendes Haar in andere Motive über.
Jugendstilwohnung
Jugendstilwohnung
Nach der Idee des Jugendstils sollte mit dem Bau und der Einrichtung eines Hauses ein Gesamtkunstwerk entstehen d.h. daß nicht nur die Hausfassade die Stilelemente des Jugendstil aufzeigen sollte, sondern auch die Innenausstattung mit geplant und konsequent umgesetzt wurde.
Hausflur im Jugendstil
Hausflur im Jugendstil
So konnte man in einer Jugend- stilwohnung hinter der äußerlichen Jugendstilfassade des Hauses auch entsprechende Ausstattungs- gegenstände finden, z.B. Möbel im Jugendstil wie etwa Sofa, Sessel, Bilder oder einen Jugendstil- schrank und anderen Jugendstilschmuck für die Wohnung, wie Glasbil- der, eine Jugendstillampe, eine Deckenleuchte, ein Plakat oder Jugend- stilfliesen im Treppenhaus oder den Bädern.
Jugendstil in Riga
Jugendstil in Riga
In Riga hat sich der Jugendstil ab Anfang des 20. Jahrhunderts bis zum Ersten Weltkrieg v.a. in der Architektur der Zentralstadt niedergeschlagen. Mehr als ein Drittel der gesamten Bebauung in diesen altstadtnahen Vierteln folgen den Ideen des Jugendstil.
Fassade von Michael Eisenstein
Fassade von Michael Eisenstein
Ein sehr berühmter in Riga tätiger Jugendstilarchitekt war Michail Eisenstein, Vater des bekannten sowjetischen Regisseurs Sergej Eisenstein. In der Zentralstadt von Riga kann man etwa ein Dutzend seiner Jugendstilhäuser mit von ihm entworfenen, fast überladen wirkenden Fassaden bewundern - sicher ein Muss für jeden Liebhaber der Jugendstil-Architektur.
Neuromatisches Haus
Neuromatisches Haus in der Albertstr.
Jugendstilarchitektur kann in vielen Ländern Europas betrachtet werden. Besonders bleibt aber Riga, wo ganze Jugendstilviertel vom Zweiten Weltkrieg fast unbeschadet zu finden sind. Insbesondere dafür bekannt ist die Albertstraße (Alberta Iela). Der ganze Straßenzug entstand Anfang des 20. Jahrhunderts. Nicht nur die Jugendstilfassaden von Michail Eisenstein sind bewundernswert. Auch die des lettischen Architekten E. Laube, der sich in seiner späteren Arbeit auch von der aus Finnland kommenden Neuromantik hat inspirieren lassen.
Villa Ammende
Villa Ammende
Sieht man in Riga viele prächtige Mietshäuser im Jugendstil, so hält man sicher auch nach Jugendstilvillen Ausschau. Eine der wenigen erhaltenen im Baltikum ist die wundervoll restaurierte Jugendstilvilla Ammende im estnischen Ostseebad Pärnu.
Otto Eckmann
Otto Eckmann von Lovis Corinth
Auch die Schrift wurde durch den Jugendstil beeinflusst. So hat der Maler Otto Eckmann, der für die Berliner Kunstzeitschrift Pan und auch für die Jugend aus München arbeitete, eine Jugendstilschrift entworfen. Der Schwan, sein Lieblingstier, wurde oft als Jugendstilornament benutzt.
Janis-Rozentals-Museum
Janis-Rozentals-Museum
Ein bekannter Maler in der Zeit des Jugendstils war in Riga der Lette Janis Rozentals. Heute kann man seine Bilder, Porträts, Buchillustrationen im dem ihm gewidmeten Mu- seum in seiner ehemaligen Atelierwohnung in der Albertstraße unweit der Häuser von M. Eisenstein bewun- dern. Ein ausgesprochenes Jugendstilmuseum gibt es in Riga leider noch nicht. Dennoch ist die halbe Zentralstadt (Zentrum) Rigas praktisch ein einziges Jugendstilmuseum.


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