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Hexenverfolgung im Mittelalter...

...im Baltikum und im gesamten europäischen Raum

Hexenszene um 1700
Hexenszene um 1700
Als eine Hexe wurde einst eine Person bezeichnet, die über umfangreiches Wissen über Heilkräuter und medizinische Anwendungen verfügte. Meistens waren Hexen weiblich, aber auch Männer nannten sich Hexe, später dann auch Hexer. Mit der Zeit, vor allem durch die Christianisierung, wurden Hexen Zauberkräfte und Magie zugeschrieben. Als Hexen galten vor allem Menschen, die sich dem christlichen Glauben verweigerten.
Der Ursprung des Wortes Hexe ist nicht eindeutig geklärt. Wahrscheinlich entwickelte er sich vom mittelhochdeutschen Wort Haguzza, was soviel bedeutet wie auf der Hecke oder dem Zaun sitzend. Der Hexe wurde also metaphorisch die Eigenschaft zugeschrieben, zwischen den Grenzen zu sitzen, sowohl im Grenzbereich von der Welt der Lebenden und der Toten, als auch der spirituellen und weltlichen Orte.
Das Wesen der Hexe ist im ganzen paneuropäischen Raum verbreitet, wenn auch regional unterschiedlich geprägt. Im deutschen Raum sind Hexen vor allem durch die Gebrüder Grimm bekannt geworden, wobei ihnen in den Märchen fast ausschließlich negative Eigenschaften zugeschrieben werden.
Im Baltikum, wo mythische Figuren immer eine wichtige Rolle gespielt haben, nennt man Hexen Ragana, was sich vom litauischen Wort regeti (sehen) ableitet. Als die Hexenprozesse die baltische Region erreichten, wurden die Angeklagten aber nicht als Ragana bezeichnet, sondern als Beschwörerin oder Schwarzbuchkundige. Die Akten wurden durchweg in slawischer, polnischer oder lateinischer Sprache geführt.
Inquisition Pedro Berruguete
Inquisition von Pedro Berruguete

Die Inquisition

Hexen wurden bereits im Altertum verfolgt, wobei der Begriff Hexe erst ab dem 15. Jahrhundert verwendet wurde. Noch im Jahre 785 war der Glaube an Hexen an sich und deren Verfolgung durch das Konzil von Paderborn bei Strafe verboten. Karl der Große bestätigte dieses Gesetz. Im 13. Jahrhundert kam die Inquisition auf und die ersten Hexen wurden verurteilt. Allerdings wurden zu dieser Zeit hauptsächlich Ketzer gerichtet. Thomas von Aquin prägte das Hexenbild in der katholischen Kirche, indem er erklärte, daß Hexen einen Bund mit dem Teufel schließen würden.
Hexenverbrennung
Hexenverbrennung
In den Jahren 1450 bis 1760 wurden Hexen aber nicht nur von der Kirche verfolgt, die Hochzeit liegt zwischen 1550 und 1650. In der Öffentlichkeit entstand ein Hysterie-Phänomen, was durch den Dreißigjährigen Krieg und die so genannte kleine Eiszeit erklärt wird. Hexenprozesse fanden nicht vor kirchlichen Gerichten, sondern vor zivilrechtlichen Gerichten statt und gingen oft von Denunziationen aus. Nachdem eine Person genannt wurde, musste sie sich oft Folterprozeduren unterziehen bis sie geständig war. Denn ohne Geständnis konnte ein Angeklagter nicht verurteilt werden. Die Verurteilten starben meist auf dem Scheiterhaufen, wurden also bei lebendigem Leibe verbrannt. In seltenen Fällen wurden sie enthauptet.
Als wichtiger Handlungsleitfaden für die Hexenverfolgung diente der Hexenhammer, 1487 von Dominikaner Heinrich Institoris verfasst. Auch in der Kirche gab es wenige Gegner der Hexenjagd, die aber gefährlich lebten, da ihnen leicht Konspiration mit den Hexen vorgeworfen werden konnte. Die letzte Hinrichtung einer Hexe in Deutschland fand wahrscheinlich 1756 in Landshut statt. Die letzte bekannte Hinrichtung in Europa fand 1782 in der Schweiz statt, als Anna Göldin getötet wurde.
Skulptur auf dem Hexenberg
Skulptur auf dem Hexenberg

Der Hexenberg in Juodkrante

In manchen Orten im Baltikum gibt es ein Hexenmuseum, wo man die Geschichten der Hexen und die Protokolle ihrer Verfolgung ansehen kann. In Juodkrante (Schwarzort) auf der Kurischen Nehrung ist auf dem Hexenberg eine Ausstellung von Figuren aus der litauischen Märchen- und Sagenwelt zu sehen, die zwar nicht die schreckliche Realität widergibt, aber wohl doch von dieser inspiriert wurde.


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