Lettlands Gauja-Nationalpark im Norden des Landes
Burgen, Ruinen, Schlösser und unberührte Natur
Der Gauja-FlussDer Gauja Nationalpark ist der älteste Nationalpark in Lettland. Er nimmt eine Fläche von fast 92.000 Hektar ein und wurde 1973 begründet, um die im gesamten Baltikum mit Flora, Fauna und ihren fast 500 kulturhistorischen Objekten einzigartige Landschaft an der mittleren Gauja zu schützen. Sie ist geprägt vom Gaujatal, das auf dem Territorium des Nationalparks bis zu 2,5 km breit und 80 m tief ist. Die Gauja (Gesamtlänge: 250 km, ausschließlich in Lettland; 13 Zuflüsse) schlängelt sich in vielen Mäandern fast 94 km durch den Nationalpark, vorbei an unzähligen roten Sandsteinfelsen aus der Devonzeit.
Picknick am Gauja-UferSpannende kleine Höhlen und Grotten, um die sich viele örtliche Sagen ranken, gibt es an den Ufern der Gauja. Am besten erlebt man die einzigartige Flusslandschaft bei einer Boots-, Kanu- oder Floßfahrt auf der Gauja. Auf der gemächlichen Fahrt passiert man einige Stromschnellen. Man kann an einzelnen Natur- oder Kultursehenswürdig- keiten die Fahrt unterbrechen, an ausgewiesenen Stellen am Lagerfeuer zelten oder auch an den Sandbänken der Mäander bedenkenlos baden, da die Gauja nicht durch In- dustrieabwässer gefährdet ist. Das Wasser scheint trotzdem immer recht dunkel, was auf den moorigen und häufig stark eisenhaltigen Untergrund zurückzuführen ist.
Elche in LigatneDie typische einheimische Tierwelt erlebt man am besten im Natur- und Wildpark von Ligatne. Hier wird auf verschieden Lehrpfaden den Besuchern die einheimische Flora und Fauna nahegebracht.
Luchs im Ligatne WildparkWälder und Wiesen (nicht selten sind Schwarzstörche zu sehen!), Waldschluchten und Sandsteinfel- sen prägen hier die Landschaft.
Holzhaus im Gauja-NationalparkNatürlich leben auch Menschen im Territorium des Nationalparks. Ligatne hat sich schon Anfang des 19. Jahrhunderts als ein Zentrum der Papierherstellung im Baltikum herausge- bildet. Davon zeugen etwa ein Dutzend dicht beieinander stehende verzierte Holzhäuser - die einstige Fabrikarbeitersiedlung. Sie wirken heute als könnte man hier einen Historienfilm drehen, da derartiges in Westeuropa kaum mehr zu finden sein dürfte - die Häuser sind bis heute bewohnt!
Tief im Wald versteckt liegt hier das Rehabilitationszentrum Ligatne, in der Sowjetzeit über lange Jahre erbaut, birgt es ein Geheimnis, das erst vor einigen Jahren gelüftet wurde - ein atomsicherer Bunker für die einstigen Eliten Sowjetlettlands direkt unter der Gesundheitseinrichtung. Er ist noch immer original eingerichtet und kann besichtigt werden.
Burgruine in SiguldaDie meisten kulturhistorischen Objekte im Gauja-Nationalpark findet man um die Städte Sigulda und Cesis. Hier lebten im Mittelalter livische Stämme, nach denen die fremden Eindringlinge das Land im 12. Jahrhundert benannt hatten - Livland. Archäologen haben eine riesige Anzahl an alten livischen und lettgalischen Burgbergen nachgewiesen, auf denen einst Holzburgen der Einheimischen gestanden haben - am Gaujafluss, der damals wichtiger Handelsweg war.
Bischofsburg TuraidaSpäter im 13. Jahrhundert bauten die deutschen Eroberer ihre Steinburgen. In Sigulda findet man heute die größte Burgen- konzentration im Nationalpark Gauja - die Burgruine Sigulda des Schwertbrüderordens mit neuem Schloss, die rekonstruierte einstige Burg des Bischofs von Riga in Turaida und die im Wald versteckten Ruinen der Domkapitelsburg sowie das neue Schloss Krimulda.
Seilbahn über die GaujaWanderwege führen auf den Berghängen entlang an den alten Burgbergen. Häufig bieten sich atemberaubende Blicke in das Gaujatal, am besten von der Seilbahn aus - der ein- zigen im Baltikum.
GutmanishöhleAm schöns- ten ist die Landschaft von Sigulda zur Zeit der Laubfärbung im Herbst. Sigulda mit seinen Burgen und dem wunderschönen Gaujatal ist die älteste touristische Sehenswürdigkeit des Baltikums. Davon zeugen jahrhundertealte Inschriften in den Sandsteinwänden der Gutmanishöhle. Mitte des 19. Jahrhunderts kamen einige Zaren und Mitglieder ihrer Familie regelmäßig zur Erholung nach Sigulda, die Gutsbesitzer ließen bereits Ende des 19. Jahrhunderts Wanderwege anlegen, die bis heute vorhanden sind. Sigulda wurde damals zum gefragten Luftkurort.
Burg CesisCesis wiederum wartet mit der einstigen Hauptburg des Livländischen Ordens auf, die im 15. Jh. Sitz des Ordensmeisters war und schon im 17. Jh. zur Ruine wurde. Ihre wahnsinnigen Ausmaße zeugen von der Bedeutung des Ordens, aber auch davon, dass er mächtige Feinde hatte.
OrellenhofNahe Cesis liegt das Pfahldorf Araisi - eine rekonstruiertes Inseldorf mit Holzbauten der einheimischen Lettgaler aus dem 9.-12. Jahrhundert. Hier hatte sich bereits Rudolf Virchow Ende des 19. Jh. an archäologischen Ausgrabungen am Araisi-See beteiligt.
Ein weiteres Schmuckstück ist das inzwischen restaurierte heute einzige erhaltene hölzerne barocke Herrenhaus des Gutes Ungurmuiza (Orellen) aus dem 18. Jahrhundert - ein stimmungsvoller Gutshof inmitten eines Eichenparks.
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