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Estland - der "Baltische Tiger"

Länderinfos, Land und Leute, Wirtschaft

Neustadt von Tallinn
Neustadt von Tallinn
Der Beitritt des kleinen Estland zur Europäischen Union liegt noch nicht sehr lange zurück. Mindestens seit 2004 kam Estland damit auch immer mehr ins europäische Bewusst- sein. Die Wirtschaft in Estland boomt seit Jahren. In Estland gibt es so viele registrierte Handynummern, dass man behaupten kann, dass 90 % der Bevölkerung über ein Mo- biltelefon verfügen. Das Land garantiert seinen Bürgern sogar kostenlosen Internetzugang in öffentlichen Gebäuden. Eine große Rolle in der Infrastruktur spielt das Internet v.a. weil in Estland bei einer Fläche von gut 45.000 Quadratkilometern nur ca. 30 Menschen auf einem Quadrat- kilometer wohnen. Das Land gehört damit zu den am dünnsten besiedelten Ländern in Europa.
Zu Kabinettssitzungen treffen sich die Regierungsmitglieder nicht unbedingt in der Hauptstadt von Estland, in Tallinn, sondern auch schon mal online von verschiedenen Orten aus. Parkgebühren kann man schon per Handy zahlen. Sogar Kommunalwahlen sollen demnächst Online erledigt werden können. Die Wirtschaft des kleinen Landes lebt v.a. vom Dienstleistungssektor und Tourismus, aber auch von der Holzwirtschaft. Holzbau und Blockhaus sind für Estland typisch, ist doch mehr als die Hälfte des Landes mit Wald bedeckt. Auch einige deutsche Firmen haben sich in Estland niedergelassen. Die Korruption in Estland ist bedeutend geringer als in Lettland und Litauen.
Windmühle auf Saaremaa
Windmühle auf Saaremaa
Im Personenverkehr spielt die Eisenbahn in Estland kaum noch eine Rolle, da viele Strecken als unrentabel eingestellt worden sind. Man kann aber bei einer Reise durch Estland eine Busfahrt unternehmen, da ein engmaschiges Netz von Überlandlinienbussen verkehrt. Cam- ping und Segeln sind beliebte Erholungsmöglichkeiten auch in Estland. Zahlreiche Nationalparks auf den estnischen Inseln und an den Küsten bieten viel auch für Vogelfreunde. Die positiven Nachrichten aus Estland überwiegen in der deutschsprachigen Presse, manch einer denkt schon daran in Estland Immobilien zu erwerben, doch haben die Preise gerade bei Seegrundstücken und Altstadtwohnungen westliches Niveau bereits teilweise überschritten.
Mit der Geschichte von Estland hat sich der wohl berühmteste Vertreter der Literatur in Estland, Jaan Kross ausgiebig auseinadergesetzt. Es gibt zahlreiche deutschsprachige Übersetzungen seiner kulturhistorischen Romane. Die Esten selbst sind ein ostseefinnisches Volk, eng verwandt mit den Finnen. Ihre Sprache zu erlernen ist nicht eben einfach. Doch es gibt zahlreiche Lehnwörter aus dem Niederdeutschen.
Universität Tartu (Dorpat)
Universität Tartu (Dorpat)
Denn im 13. jahrhundert begann die Unterwerfung der Esten durch den Deutschen Orden, skandinavische Geistlichkeit. Deshalb kam es zu Mischungen deutscher und estnischer Kultur. Deutsch war bis ins 20. Jahrhundert hinein Hauptverkehrssprache der gehobenen Schichten. Ein Este musste noch bis mindestens Mitte des 19. Jahrhunderts "Deutscher werden", um an der traditionsreichen Landes- universität in Dorpat (Tartu) studieren zu dürfen. Erst die Unabhängigkeit 1918 brachte den Esten die Freiheit.
1940 wurde der junge Staat von der Sowjetunion einver- leibt, war 1941-1944 von den Nazis besetzt und musste bis 1991 erneut im "brüderlichen Bund der Sowjetvölker" leben. Zehntausende Russen wurden damals in Estland angesiedelt, mancherorts dominierte die russische Sprache völlig. Dennoch überlebte die estnische Kultur, nicht zuletzt durch die immer gepflegte Sangestradition der Esten, die sich alle fünf Jahre zu ihren Sängerfesten trafen. Als kleines Volk mussten die Esten in ihrer wechselvollen Geschichte viele Sprachen erlernen. Heute sprechen viele Esten neben ihrer Muttersprache auch fließend Englisch, Finnisch, Russisch und manchmal auch Deutsch! An Ehrgeiz fehlt es den jungen Esten nicht.


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