Das Baltikum - Land des Bernsteins - Bernsteinküste
Die Geschichte des Bernsteinzimmers
Im eigentlichen Sinne ist Bernstein kein Stein, da er nicht mineralisch ist. Vor Millionen von Jahren verloren Bäume ihr Harz, daß sich ablagerte und durch darüber liegende Ablagerungen mit der Zeit immer fester gepreßt wurde. Hiermit erklärt sich auch die Farbe des Bernsteins, die von einem klaren Gelb bis hin zu einem undurchsichtigen Braun reicht.
Besonders im Nord- und Ostseebereich findet man heute Bernstein, deshalb nennt man die Baltische Küste auch Bernsteinküste. Den baltischen Bernstein nennt man Succinit, er ist bisher am besten erforscht. Lange Zeit war Schwarzort (Juodkrante) auf der Kurischen Nehrung eines der bedeutendsten Abbaugebiete. Etwa 1827 verlor Schwarzort an Bedeutung, da die Bernsteinvorkommen erschöpft waren. Bei Palmnicken wurde zu dieser Zeit ein Tagebau- Bernsteinwerk aufgebaut, daß bis 2002 der Hauptherkunftsort von baltischem Bernstein war. Aber auch am Strand von Liepaja kann man nach einem stürmischen Tag selbst Bernstein finden. Nach Bernstein zu suchen ist heute nichts besonderes, im Mittelalter jedoch wurde im Ordensland jeder Bernsteinsucher hart bestraft, der versuchte, Bernstein für sich zu behalten.
Die Menschen waren aber nicht nur von dem Stein an sich begeistert. Viel wertvoller erschienen die Bernsteine mit Einschlüssen, sog. Inklusen. Bernsteineinschlüsse können kleine Pflanzenteile oder kleine Tiere sein. Wobei am häufigsten Insekten zu finden sind, wie Fliegen, Mücken, Termiten, aber auch kleine Spinnen oder Asseln und vieles mehr.
Bernstein ist einer der ältesten Schmucksteine. Es gibt Funde von Bernsteinschmuck, die etwa 10.000 Jahre alt sind. Sogar in Ägypten hat man Objekte aus Bernstein gefunden. Es gibt nicht nur Bernsteinketten, oft kann man auch ein Bernsteinamulett oder -Anhänger, teilweise mit Schnitzereien, finden ebenso Bernsteinbilder, Schatullen und Mundstücke für Pfeifen. Aber nicht nur eine Bernsteinkette ist wertvoll. Aus dem Stein wird seit dem 20. Jahrhundert auch der Bernsteinlack gewonnen. Auch wird Bernstein teilweise als Isolator eingesetzt, ist sein elektrischer Widerstand doch noch größer als der von Porzellan. Beim Bearbeiten von Bernstein muß man sehr vorsichtig sein, da der Stein sehr empfindlich ist. Als Werkzeug dient oft Schleifpapier oder Nadelfeilen, ebenso Schlämmkreide.
Bernsteinartikel, wie Bernsteinbilder, Bernsteinketten und anderen Bernsteinschmuck oder auch ein Bernsteinkreuz kann man heute in zahlreichen Souvenirläden überall im Baltikum kaufen oder auch im Bernsteinmuseum von Nida oder Palanga bewundern.
Das weltweit bekannteste Kunstwerk aus Bernstein ist das Bernsteinzimmer. Die Wandverkleidungen dieses Zimmers sind gänzlich mit Bernstein geschmückt. Das Bernsteinzimmer wurde 1712 im Berliner Charlottenburger Schloss für den Preußenkönig Friedrich I. fertig gestellt. Im Jahre 1716 wurde das Zimmer an den Zaren Peter I. verschenkt und später in den Katharinenpalast bei St. Petersburg eingebaut. Im Zweiten Weltkrieg wurde es von den deutschen Truppen geraubt und wahrscheinlich nach Königsberg gebracht. Was danach mit dem Bernsteinzimmer passierte ist unklar. Zwischen 1979 und 2003 wurde das Bernsteinzimmer im Jekaterinenpalais von russischen Experten rekonstruiert. Sie benutzten eine Fotografie als Vorlage zum Wiederaufbau. Seit der Fertigstellung ist das aus baltischem Bernstein nachgebaute Bernsteinzimmer der Öffentlichkeit zugänglich.
Bereits etwa 1500 Jahre vor Christus wurde in Griechenland Schmuck aus Bernstein getragen außerdem war er damals ein wertvolles Tauschobjekt. Auf den Handelsrouten der sog. Bernsteinstraße wurde Bernstein vom Norden in den Süden transportiert.
Etwa 1890 wurde Bernstein erstmals maschinell gewonnen. Bis dahin wurde der Sand des Strandes manuell gesiebt. Inzwischen gibt es auch die ein oder andere Bernsteinmanufaktur, die künstlichen Bernstein herstellt, der dem echten täuschend ähnelt.
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